Exklusiv-Interviews mit Janine Partzsch

 

Janine Partzsch belegt seit dem 1. Januar eine der drei neu geschaffenen Stellen für BSC YB Frauen.
Der 80%-Job beinhaltet im Bereich Technische Administration folgende Hauptaufgaben:

  •   Kontrolle der Aktivitäten und Termine bezüglich
    - Verband
    - Schule & Sport
    - Scouting / Probespielerinnen
    - Partnervereine
     

  • Verantwortlich für
    -
    neu aufgebauten Reha-Bereich (Arzt- und Massnahmenbegleitung)
    - ausstellen Verträge und Vereinbarungen Aktive und Funktionäre
    - Events
    - Presse
    - Aufbau/Aktualisierung Spielerinnen-Dossiers
     

  • Mitleitung YB Tagesschule-Trainings 3 x wöchentlich
     

Was waren Deine Motivationsgründe, Dich für einen der YB Frauen-Jobs zu bewerben?

Zum einen war dies mein Hauptmotivationsgrund überhaupt: Weiterentwicklung. Und das ist es in
jeder Hinsicht, ob persönlich, sportlich oder natürlich auch beruflich.

Zum anderen gibt es als ehemalige Fussballerin nichts Schöneres als auch im Fussball zu arbeiten.

 

Und wie lauten Deine Ziele?

Mein Hauptziel besteht darin, an dieser zweifellos stattfindenden Entwicklung in Bern mitzuwirken und
mitzuhelfen, die richtigen Dinge umzusetzen.

Meine Erfahrungen und Kenntnisse aus Deutschland mit einfließen zu lassen, aber immer angepasst
an die Bedingungen hier.

Eine gewisse Messlatte muss man dabei setzen, sonst gibt es doch auch keine Motivation, diese auch
tatsächlich zu erreichen.

 

Janine, Du hast bereits für den Bayrischen Fussballverband sowie den Schweizer Beach Soccer
Verband gearbeitet: Worin liegt der Haupt-Unterschied zu Deiner heutigen Tätigkeit?

Ein Vergleich ist dabei noch recht schwierig, denn diese beiden Verbände unterscheiden sich innerhalb
ihrer Funktionsweise und ihrem Tätigkeitsbereich enorm. Wenn ich es aber allgemein zu der Tätigkeit
eines Verbandes vergleiche, dann ist der Hauptunterschied der, dass der Verband Richtlinien (Label)
ausgibt, die der Verein dann umsetzen muss.  
 

Fazit nach dem ersten Monat:
Was waren bisher Deine grössten Herausforderungen Deines Aufgaben-Gebietes?

Ich denke, die größte Herausforderung besteht darin, den Stellenwert des Frauenfussballs in der Schweiz
insgesamt zu verbessern und somit weiter zu entwickeln. Fussball ist in den Köpfen vieler noch als aus-
schliessliche Männerwelt eingebrannt, da existieren noch ganz eigene Vorstellungen und Meinungen über
den Frauenfussball an sich.
Sich dort durchzusetzen, erfordert doch einiges, öffnet wiederum aber auch Türen.

Eines ist dabei aus meiner Sicht ganz klar: Du kannst nur mit Leistung überzeugen, alles andere rückt in
den Hintergrund. Natürlich braucht es dazu qualifizierte und gute TrainerInnen, sowie optimale Trainings-
möglichkeiten, aber auch motivierte Spielerinnen, die bereit sind, sich weiter zu entwickeln.

  

In welchen Bereichen hat der Schweizer Frauenfussball gegenüber dem Deutschen am meisten Aufhol-
Bedarf? Und wie lauten Deine Lösungsansätze?

Es ist schwierig, den Vergleich mit so einem erfolgreichen Land zu sehen. Über die Größe und Anzahl von
Spielerinnen müssen wir nicht diskutieren. Da gibt es logischerweise grosse Unterschiede.

Die Frage ist doch: Wie sind sie zu diesen Erfolgen gekommen? Und dort sehe ich einen grossen Auf-
holungs-Bedarf hinsichtlich Einstellungsfrage: In Deutschland hat man sich diese Erfolge erarbeitet und
das ausschließlich über sportliche Leistungen. Erst dann kamen Sponsoren, bessere Trainingsmöglich-
keiten, Entschädigungen für Spielerinnen und das öffentliche Interesse.

Das Ziel jeder Einzelnen auf der Seite der Spielerinnen muss es also sein, sich individuell verbessern zu
wollen, ständig an sich zu arbeiten und sich auch zu fordern. Fussball bedeutet dabei nicht immer nur, mit
dem Ball zu arbeiten. Dann entwickelt sich auch das Gesamte.

Entgegen der kursierenden Aussagen bezüglich Thema Schule und Arbeit sei erwähnt, dass sich der
deutsche Frauenfussball absolut noch im Amateurbereich befindet. Aufwand und Entschädigung stehen
dabei immer noch in keinem Verhältnis zueinander. 90% verfolgen ebenso eine 100%-Anstellung im Job,
eine Ausbildung oder ein Studium. Die verbleibenden 10% bezeichne ich als Nationalspielerinnen, die
ihre Entschädigungen hauptsächlich über separate Werbeverträge und Sponsoren erhalten.

Zudem fehlt uns hier in der Schweiz quantitativ, aber auch zum Teil qualitativ ein Konkurrenzleben, was
quasi Selbstläufer für jede Entwicklung ist. Nur diejenigen, die da sind, können diese Entwicklung mit-
gestalten und das ist etwas, was wir alle verstehen sollten.

Von Vereinsseite her müssen wir die Bedingungen rund um das Sportliche nach und nach verbessern. Sei
es in der Infrastruktur, im Sponsoring und Marketing, in der Unterstützung in Sachen Schule/Ausbildung/Job
und Sport, in der Zusammenarbeit mit Partnervereinen, oder auch in personeller Richtung (Medizinischer
Stab, Trainerteam, Administration).

Mit YB, da bin ich mir sicher, werden diese Dinge in naher Zukunft umsetzbar sein.

Janine, vielen Dank für Deine Ein- und Ansichten. Wir wünschen Dir weiterhin viel  spannende und erfolg-
reiche Momente in Deinem Job!
(js)
 

 

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